Ankunft und Ankommen – ein guter Ort

Der Workshop beschäftigt sich mit Fluchtursachen sowie dem Ankommen in einer neuen Umgebung. Das Archiv der Flucht bietet einen reichhaltigen Schatz an Erzählungen, aus welchen Gründen Menschen nicht mehr in ihrem Herkunftsland oder ihrer Herkunftsregion leben konnten oder wollten, was sie auf ihrem Weg an einen neuen Ort und bei ihrer Ankunft erlebt haben.

Die Teilnehmenden des Workshops setzen sich mit Fluchtursachen und Ankommenssituationen der im Archiv der Flucht interviewten Personen auseinander. Ausgehend von diesen Erzählungen entwickeln sie eine eigene Vorstellung davon, wie ihrer Meinung nach ein guter, ein idealer Ort zum Ankommen aussehen müsste. Ihre Ideen dazu bringen sie zunächst als Prototyp auf ein Blatt Papier, im Anschluss daran setzen sie ihre Vorstellungen multimedial in der Lernplattform CoSpaces um, um ihre eigene Welt dann in der VR-Brille erleben zu können.

Dauer

Halbtagsworkshop (3,5 h – mit 20 min Pause)

Empfohlene Altersgruppe

ab 15 Jahre

Themen/Inhalte

Flucht und Migration, Fluchtursachen, politische Verhältnisse in anderen Regionen, Asylrecht, Gesellschaft gestalten, Zusammenleben, Multiperspektivität, transformatives Lernen

Digitale Werkzeuge und Medienpraxis

  • VR-Produktion (virtual reality) mit der kostenlosen App CoSpaces
  • Nicht-lineares Storytelling
  • Einstieg ins Coden mit CoBlocks
  • Audioproduktion (möglich)

Technische Ausstattung Teilnehmende

  • Smartphone/Tablet/Laptops
  • Internet/online
  • VR-Brillen (wenn vorhanden, möglich auch ohne)

Anschlüsse zum Archiv der Flucht

Das Archiv der Flucht dient als Quelle und Inspiration für die Teilnehmenden, um ihre eigene Vorstellung eines idealen Ortes zum Ankommen in Deutschland zu entwickeln. Die Teilnehmenden lernen bis zu sechs interviewte Personen näher kennen, zunächst generell über eine Personenvorstellung mit einigen biografischen Daten, später über ihre spezifischen Erzählungen zu ihren individuellen Ankommenssituationen in Deutschland. Dem vorangestellt wird eine thematische Einführung in das Thema “Flucht und Fluchtursachen”, welche dann anhand der Interviews im Archiv der Flucht nachvollziehbar und erfahrbar werden.

Videosequenzen

FEWEYNI HABTEMARIAM

Sequenze(n)
Ankunft in Deutschland – 01:02:12 – 01:17:23


MILA MOSSAFER

Sequenze(n)
Flucht und Ankunft in Deutschland – 52:00 Flucht – 1:12:27
Neue Heimat in Deutschland – 53:30 – 01:08:50

KHESRAU BEHROZ

Sequenze(n)
Ankunft in Deutschland – 50:10 – 01:06:10


KERIM BOROVINA

Sequenze(n)
Ankunft in Deutschland – 1:47:41 – 2:03:40 (16 Minuten)

FATUMA MUSA AFRAH

Sequenze(n)
Ankunft in Deutschland – 48:00 – 1:03:30

MOUNA ALEEK

Sequenze(n)
Ankunft in Deutschland – 1:07:27 – 1:23:00

Bildungsorte | Präsenz + online

Ideal ist die Gruppenarbeit in Zweier- oder Dreiergruppen. Prinzipiell sind alle Bildungsorte geeignet, die über eine entsprechende technisch Ausstattung verfügen. Besonders geeignet sind Schulen während Projekttagen oder -Wochen sowie außerschulische Bildungsorte, z.B. Bibliotheken.

Die Lernplattform CoSpaces ist ein digitaler Ort, der kollaborativ bespielt werden kann. Es ist also möglich, auch ortsübergreifend gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Aufgrund der unkomplizierten Teilbarkeit der Projektergebnisse können diese auf Webseiten oder in Hedgedocs eingebettet werden, so dass sich ein digitales Publikum die Ergebnisse ansehen kann. Die Methode kann auch komplett digital durchgeführt werden, allerdings ist der Vorteil bei einer Durchführung in Präsenz, dass die Teilnehmenden sich ihre Ergebnisse im Anschluss in der VR-Brille ansehen können, was die Identifikation erhöht.

Bildungsziele und Handlungsoptionen

Den Teilnehmenden sind Fluchtursachen bekannt. Die Teilnehmenden setzen sich mit verschiedenen Ankommensszenarien in Deutschland auseinander und erfahren mehr über die Bedürfnisse und verschiedenen Erlebnisse bei der Ankunft in Deutschland ausgewählter interviewter Personen aus dem Archiv der Flucht. Die Teilnehmenden entwickeln eine eigene Utopie eines idealen Ortes zum Ankommen in Deutschland.

Teilnehmende entwickeln eigene Vorstellungen davon, wie ein eigener guter Ort zum Ankommen in Deutschland für geflüchtete Menschen aussehen könnte. Die eigenen Vorstellungen, welche sie selbst in einer virtuellen Welt umsetzen können, befähigen sie, ihre eigenen Ideen für gesellschaftliches Zusammenleben darzustellen und mit Informationen oder Sprachnachrichten anzureichern und für andere verfügbar zu machen. Das immersive und kollaborativ erstellbare VR-Format bietet eine sehr gute Möglichkeit, verschiedene Perspektiven insbesondere von Jugendlichen konkret erfahrbar und darstellbar zu machen, um sie Entscheidungsträger*innen zur Verfügung zu stellen. Die Methode bietet auch Jugendlichen, die aufgrund von Sprachbarrieren weniger Möglichkeiten haben, ihre Perspektive einzubringen, mit dieser visuellen Methode ihre Ideen auszudrücken.

Ausführliche Workshop- oder Modulbeschreibung

ZeitInhalt/ZielMethode
11:00
90 min
Vorbereitung
  • Technikcheck
  • Sitzordnung: wenn möglich Stuhlkreis
  • Namensschilder
  • Fotoerlaubnis von allen da? Einsammeln
  • Laptops/Materialien vorbereiten
12:30
10 min
Ankommen und kurze Begrüßung
  • Kurze Begrüßung und Vorstellung der Teamer*in und Zielsetzung für den Workshop
  • Perspektiven der Jugendlichen zum Archiv der Flucht wahrnehmen
  • Frage nach Pause, entweder zwei kleine Pausen oder eine längere Pause
  • Ziel: Die Auseinandersetzung mit Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen aus ihrer Heimat fliehen mussten und sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut haben
Kennenlernen einiger Biografien (ausgewählte Sequenzen, Auseinandersetzung mit der Frage, was ein guter Ort zum Ankommen in einem neuen Land ist, Entwicklung eines Prototypen, Umsetzung des Prototypen in Co-Spaces (VR)
12:40
10 min
Energizer / Kennenlernen
  • Aufstellungsspiel, Selbstvorstellung
  • Alle Teilnehmenden stehen in einer Reihe (mit Kreppband auf dem Boden markiert)
  • Je nach Raumgröße wird etwa 5 Meter gegenüber der Reihe eine weitere Reihe mit Kreppband markiert
  • Beginn des Spiels, freies Sprechen, jede*r Teilnehmende darf in selbst gewählter Reihenfolge sprechen und stellt erst sich selbst und dann eine Eigenschaft oder Aussage vor, die auf ihn/sie/es zutrifft. Alle Teilnehmenden, auf die die Aussage ebenfalls zutrifft, wechseln die Raumseite zum gegenüberliegenden Strich.
  • Danach stellt sich ein*e weitere Teilnehmende*r vor mit Namen und Eigenschaft/Aussage, und alle, auf die die Aussage zutrifft, wechseln die Raumseite. So entsteht ständige Bewegung im Raum.

Beispiele:
  • TN 1: "Ich heiße Anna, und ich liebe Pizza"
  • TN 2: "Ich bin Paul, und ich koche gerne."
  • TN 3: "Ich bin Laila, und ich zocke gerne Fortnite."
12:50
10 min
Archiv der Flucht
  • Präsentation des Archivs der Flucht
  • Projektüberblick / Oral History
  • Interviewüberblick
Slides Präsentation
13:00
10 min
Fluchtursachen
  • Frage ins Plenum: Was glaubt ihr sind Gründe, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen?
  • Präsentation: Fluchtursachen, Recht auf Asyl
13:10
10 min
Pause
  • In der Pause sollen die Teilnehmenden Zweiergruppen bilden
13:20
15 min
Das Archiv der Flucht
(in Zweiergruppen)
↳ Die Teilnehmenden bekommen das Handout mit der Person, die sie am meisten Interssiert.
• Sie dürfen von Anfang an schauen oder in den Sequenzen hin und herspringen.
• Beantwortet folgende Fragen:
1.Wer ist die interviewte Person? Name und ggf. Alter, woher, wenn bekannt
2.Was habt ihr über sie gelernt?
3.Was ist euch am meisten in Erinnerung geblieben / was hat euch am meisten interessiert?
Videos
  • Feweyni Habtemariam
  • Mila Mossafer
  • Khesrau Behroz
  • Kerim Borovina
  • Fatuma Musa Afrah
  • Mouna Aleek
13:35
20 min
Vorstellung der Interviewten
  • max. 3 pro Gruppe
13:55
20 min
Ankunft / Ankommen in Deutschland
Einführung der Methode

  1. Anschauen einer Sequenz und realer Story - als Inspiration für die weitere Arbeit an einer eigenen Idee für einen guten Ort
  2. Entwurf einer eigenen Idee für einen guten Ort auf Papier
  3. Umsetzung der Idee in einer digitalen Umgebung am Computer

Aufgabe:
↳ schaut eine bestimmte Sequenz eures Videos (siehe Handout, die Teilnehmenden können sich jetzt auch eine der anderen Personen aussuchen)
↳ lernt mehr darüber, wie die Person in Deutschland angekommen ist und was die Situation war
↳ macht euch Stichpunkte z.B. Herausforderungen (z. B. Papierkram, Sprache, An wen kann ich mich wenden?..), erste Eindrücke von Deutschland bei der Ankunft
14:15
10 min
Pause
14:25
10 min
Prototyp – ein guter Ort
auf einem Blatt Papier, entwickelt gemeinsam einen Prototypen eures "guten Ortes".

Leitfrage:
↳ Wie stellst du dir einen guten Ort zum Ankommen vor? (Denkt vielleicht an Gebäude, die da sein könnten? Vielleicht gibt es bestimmte Menschen, die da sein könnten? Welche Atmosphäre sollte herrschen? – es gibt kein richtig oder falsch, ihr könnt die Zukunft so gestalten wie ihr euch das vorstellt)
skizziert eure Ideen auf einem Blatt, ihr könnt auch mit Text arbeiten
14:35
15 min
Co-Spaces
Einführung in die Grundfunktionen von Co-Spaces
  • Erstellung einer VR Umgebung
  • Umgebung auswählen
  • Einfügen von Personen, Objekten, Text, Audio
  • Animation in Co-Blocks, Bewegung und Audio
14:50
40 min
Ein guter Ort zum Ankommen

Arbeitsauftrag:
↳ erstellt eine virtuelle Umgebung
↳ wählt einen Hintergrund aus
↳ setzt eure Idee für einen guten Ort in Co-Spaces um, in dem ihr Objekte und Texttafeln in Co-Spaces animiert
15:30
15 min
Gallery Walk (Präsentation)
Präsentation und Gallery Walk der erstellten Welten (Die Welten können von den Teilnehmenden genauer erklärt werden)
Alle Gruppen stellen ihre erstellten Welten über den Computer im Plenum vor und es gibt abwechselnd für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, in die Welt über die VR-Brille zu tauchen
Hier eine Anleitung für die Präsentation mit VR-Brillen und Bildschirmen, wenn keine Klassensätze VR-Brillen vorhanden sind

15:45
15 min
Auswertung auch digital möglich
  • Auswertung des Workshops
  • Feedbackrunde/Blitzlicht (jede*r darf sprechen, kein Kommentar oder Nachfragen)
Fragen für die Feedbackrunde:
  1. Hat der Workshop euer Interesse an den Themen des Archivs der Flucht geweckt, und wenn ja, an welchen.
  2. Habt ihr etwas neues gelernt?
  3. Würdet ihr euer Interview zu Ende anschauen bzw. weitere Interview schauen?

Tools und Hilfsmaterial

Co-Spaces – Empfehlung: kostenpflichtige Edu-Lizenz für Lehrende mit SuS-Zugängen, ideal ist ein Zugang pro SuS, möglich auch ein Zugang pro zwei SuS; bei Anwendung auf Laptop nur Browser notwendig, bei Anwendung von iPads oder Tablets Notwendigkeit des Herunterladens der App (kostenlos)

Anschlüsse und weitere Empfehlungen

Die digitalen Projektergebnisse können in eine digitale Ausstellung “guter Orte” ausgestellt und ständig erweitert werden. Sie können somit einem großen Publikum zugänglich gemacht werden und als Inspiration dienen, darüber zu diskutieren, wie sich Deutschland als Einwanderungsland weiterentwickeln muss, damit Menschen hier gut ankommen können.